DER POETISCHE FREITAG


Der poetische Freitag
wird mit Erato, der Muse der Liebesdichtung, und ihrer Posaune aus luftigen Höhen angekündigt. Das lyrische Blasinstrument leitet auf dieser Seite fanfarengleich ein:

Lyrik, die Polly betrifft. Sie war am ganzen Körper blond, / soweit sie Härchen hatte. / Bis zum Betthimmel reichte ihr Horizont. / Ihre Seele war scheinbar aus Watte. ­– –  Süße und sehnsüchtige Verse. Ferne! Du vermagst uns nicht zu trennen! / Seelen trennt nicht Berg, nicht Land und Meer. – ­– – Gedichte mit geheimen Botschaften unter Vertrauten. O deine Seele Knabe - perlender Wein - / funkelt aus kühlem Kristall zwischen Veilchenkränzen. ­– – Liebesgedichte, die Spuren hinterlassen. Mein klopfend Herz vor deiner Tür, / Die Fusspur rot im Schnee. – ­– – Verklärte Liebesgedichte. Der blaue Himmel ist nur halb so blau, / Weil du nicht da bist, Liebster. Deine Nähe / Macht, dass ich alles Schöne schöner sehe. / Ich bin doch eine unmoderne Frau ... – ­– – Fragende Gedichte. Jedoch, in wen ist die Rose verliebt? / Das wüßt' ich gar zu gern. – ­– – Gereimte Trennungen. Ich muss dem Leibe nach Dir itzt zwar Abschied geben, / Doch mein Verliebter Geist wird allzeit bei Dir sein. ­– – Exilgedichte. Doch weil dein Herz mir Flut und Ebbe ist, / Hier, diese Muschel, schimmernd wie von Tränen, / Zum Nachmirsehnen. ­– – Postliebesgedichte. Und weiss: Ein Herz, das man schon mal verlor, / Reist nur noch in getragenen Gefühlen./ Und während wir noch einmal "Liebe" spielen, / Bereit ich mich zum nächsten Abschied vor. – ­– – Unerträgliches und Haarsträubendes in Versen. Der Mann: / Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße / und diese Reihe ist zerfallene Brust. / Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich. ­– – Unüberwindliche Lyrik. Die Mauern stehn / sprachlos und kalt, im Winde / Klirren die Fahnen. ­– – Unvergessliche Trauergedichte. Da stieg ein Baum. / O reine Übersteigung! – ­– – Schlesische Reime, in denen es Schermantes gibt. Ach du liebes schèrmantes Katinkel, / Bleib' uns gut ock ein énziges Brinkel. ­– – Einstmals verbotene Gedichte. Männerbraun stürzt sich auf Frauenbraun: / Eine Frau ist etwas für eine Nacht. / Und wenn es schön war, noch für die nächste! ­– – Freundschaftszeilen. Flüchtig sind die Tage der Freude, kaum fühlen / wir sie, so sind sie nicht mehr!  – ­– – Oder ein kritisches Lehrgedicht aus dem Jahre 1549, das auf Änderungen hoffen lässt. Dann es sprach herr Freydangk / Auff erden ist nichts so gar follenkommen / Das es dem wandel sey benommen.

Für die Notizen aus Frankfurt suchen wir im Frankfurter Dom nach poetischen Spuren und mit Pegasus, auch er - wie die Muse - in luftigen Höhen, enden wir diese werbende Einleitung und beginnen die Vielzahl der Angebote mit Friedrich Hölderlin.

 

 


HÖLDERLIN, Friedrich.
Sämmtliche Werke herausgegeben von Christoph Theodor Schwab. 3 Teile in 2 Bänden. Stuttgart, Tübingen, Cotta, 1846. 8°. XIV, 213 S.; 1 nn. Bl., 148 S., 1 nn. Bl.; VI, 352 S., 1 nn. Bl. Etwas späteres Halbleder mit reicher Rückenvergoldung und rotem Rückenschild, (Einbände etwas voneinander abweichend gebunden). € 1.000,00

Wichtige erste Werkausgabe. - Goedecke V, 472, 4; WG 6; Seebaß 13. - Band 1 enthält die Gedichte und den »Hyperion«; Band 2 den Nachlaß und eine Biographie des Dichters. In beiden Bänden befinden sich zahlreiche Erstdrucke, so z. B. große Teile des »Empedokles«, Briefe und Gedichte. Die frühe und umfassende Biographie Hölderlins wurde vom Sohn des Herausgebers Gustav Schwab, verfasst. - Band 1 teils etwas wasserrandig, Band 2 etwas knittrig, gering stockfleckig. Vorsatz von Band 2 mit englischsprachiger, handschriftlicher Widmung von 1895.


BRUN, Friderike geb. Münter.
Gedichte. Herausgegeben von Fridrich Matthisson. Neue vermehrte Auflage. Band 1 (von 2). Zürich, Orell Füssli und Compagnie, 1798. 8°. Frontispiz in Aquatinta, 1 nn. BL., VIII, 150 S., mit 2 gestochenen Vignetten in Aquatinta. Pappband der Zeit, (gering beschabt). € 120,00

Mit den hübschen Aquatintaillustrationen von J.H.Lips. - Friderike Brun (1765-1835), die mit dem dänischen Konsul Constantin Brun verheiratet war, lernte auf ihren zahlreichen Reisen Matthisson und den Philosophen von Bonstetten kennen. - Enthält u.a. das bekannte, von Zelter vertonte, Gedicht "Ich denke dein". - Minimal stockfleckig, wie häufig ohne den zweiten Band.


STÄUDLIN, Gotthold Friedrich.
Gedichte. Erster Band. Band 1 von 2 Bänden. Stuttgart, Mittler, 1788. 8°. XXIV, 249 S., mit gestochener Titelvignette. Interimsbroschur der Zeit, (beschabt und bestoßen, Umschlag und unteres Kapital etwas eingerissen). € 220,00

Erste und einzige Ausgabe des ersten Bandes der seltenen Gedichtsammlung, dessen zweiter Band erst 1791 erschien. - Goedecke 5, 408, 17, 4. - Der Dichter der schwäbischen Vorklassik Gotthold Friedrich Stäudlin (1758-1796) war stark von der französischen Revolution beeinflusst und gilt als Förderer Friedrich Hölderlins. - Unbeschnittenes Exemplar. Leicht angestaubt, minimal stockfleckig.


NIEMAYER, August Hermann.
Gedichte. Karlsruhe, Schmieder, 1783. Kl.-8°. 6 nn. Bl., 336 S. Späteres Halbleder mit Rückenvergoldung, (leicht beschabt). € 160,00

Zweite Ausgabe. - Goed. 7, 263, 6. - Schönes, sauberes Exemplar in einem dekorativen Einband.


HERDER, J.G.
Zerstreute Blätter. Erste-sechste Sammlung. Mischauflage. 6 in 3 Bänden. Gotha, Ettinger, 1791-1811. 8°. Halbleder der Zeit mit Rückenschild und leichter Rückenvergoldung, (leicht beschabt).

€ 450,00

Bde. 1, 2 u. 3: 2. durchgesehene Aufl.; Bde. 4 u. 6: 1. Aufl.; Bd. 5: Neue Aufl. - Zusammenstellung verschiedener Schriften, Parabeln, Gedichte, usw. - Teilweise leicht gebräunt, gering stockfleckig.


MATTHISSON, Friedrich.
Gedichte. Neue Auflage. Zürich, Orell, Füßli und Compagnie, 1808. Klein-8°. Gestochenes Frontispiz, gestochener Titel, 304 S. Pappband der Zeit mit Rückenschild, (gering beschabt). € 80,00

Angebunden: SALIS, J.G. von. Gedichte. Neue Auflage. Zürich, Orelll, Füßli und Compagnie, 1808. Gestochenes Frontispiz, gestochener Titel, 164 S. -
Leicht stockfleckig.


SCHUBART, Christian Friedrich Daniel.
Gedichte. Herausgegeben von seinem Sohne Ludwig Schubart. 2 Tle. in 1 Bd. Frankfurt a. M., Hermann, 1802. Kl.-8°. Gest. Porträt, X S., 2 nn. Bl., 306 S.; 3 nn. Bl., 378 S., 1 nn. Bl. Späterer Leineneinband mit neuem Rückenschild. € 240,00

Erste Ausgabe. - WG² 81; Goed. IV, 1, 877, 485a. - Das Porträt wurde von d'Argent nach einer Vorlage von Oelenhainz. - Ränder teilweise etwas fleckig, am Anfang und Ende stärker, Stempel auf Titelblatt.


ALBUM AMICORUM - FRITSCH, C.W. v.
Stammbuch mit 37 Einträgen in deutscher, französischer, lateinischer, sowie 1 altgriechischen Handschrift. Erfurt, Jena, Leipzig, Weimar, 1784-1789. Quer-8° (20x11,2). 231 (von 235) Blatt mit 37 (von 39) Einträgen und 1 lavierten Zeichnung. Leder der Zeit mit reicher Deckel- und Rückenvergoldung, Stehkantenvergoldung, Vorderdeckel mit Monogramm C.W.v.F. und Rückendeckel datiert 1784, Goldschnitt (minimal beschabt). € 1.200,00

Stammbuch von Karl Wilhelm von Frisch (1769-1850), der als Regierungsrat und Staatsminister im Großherzogtum Sachen-Weimar-Eisenach tätig war. Geboren in Weimar, studierte er in Jena und Leipzig und bekam 1789 in seiner Heimatstadt eine Anstellung als Regierungsassessor - Mit Einträgen der Familie, sowie Freunden aus seinem meist studentischen Umfeld in Jena und Leipzig, sowie dem geistig-gesellschaftlichen Leben in Weimar. - Auf Blatt 222 der Eintrag des Frankfurter Juristen Johann Wolfgang Textor, einem Cousin Johann Wolfgang Goethes. - Es fehlt der Eintrag eines v. Seebach. - Minimal fleckig, sehr dekorativ gebunden.


GLÜCKWUNSCHKARTE -
"Dein Umgang hat mich stets vergnügt..." Neujahrskarte mit handschriftlichem Glückwunsch "An Herrn Secretair Krebs" Kupferstich in Grün mit einem auf Seide geschriebenem Gedicht zum neuen Jahr. Um 1790. 17,5 x 11,8. Gering fleckig. € 80,00


SCHMID, Christian Heinrich.
Theorie der Poesie nach den neuesten Grundsätzen und Nachricht von den besten Dichtern nach den angenommenen Urtheilen. (Und) Zusätze zur Theorie der Poesie... Erste (von 4) Sammlung. 2 Teile in Band. Leipzig, Crusius, 1767. 8°. 6 nn. Bl., 499 S.; 1 nn. Bl., 172 S., 26 nn. Bl., mit 3 (wiederholten) gestochenen Titelvignetten. Halbleder der Zeit mit Rückentitel und Rückenvergoldung, (etwas beschabt, Ecken und Kapitale leicht gestaucht). € 300,00

Erste Ausgabe. - ADB 31, 650ff. - Frühe theoretische Schrift des sogenannte »Gießener Schmid« (1746-1800), dem Begründer des deutschen Musenalmanaches, in welcher er die Philosophen und Dichter seiner Zeit meist heftig angreift. – "Als kritische Arbeit trägt das Werk den Stempel einer Zeit, in welcher Lessing sich als Kritiker zurückgezogen hatte und das Mittelmäßige die Führung der Litteratur an sich zu reißen suchte, bis Herder als neuer kritischer Leitstern anerkannt wurde" (ADB XXXI, 652). - Etwas gebräunt und wasserfleckig, Name von alter Hand auf Titel.


GÜNTHER, Johann Christian.
Sammlung von.... bis anhero edirten deutschen und lateinischen Gedichten, Auf das neue übersehen, Wie auch in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie. Breslau und Leipzig, Michael Hubert, 1735. 8°. 15 nn. Bl., 1102 S., 8 nn. Bl., mit gestochener Titelvignette (ohne das Frontispiz). Leder der Zeit mit reicher Rückenvergoldung und Rückenschild, (gering beschabt). € 450,00

Erste Ausgabe dieser Neuauflage, die erstmals die vorher in 4 Teilen erschienenen Gedichte zusammenfasst. - Goedeke III, 351, 16, 20; Hayn/Gotendorf II, 700; Faber du Faur 1655; Dünnhaupt 741, 4.1. - Günther (1695-1723) gilt als einer der bedeutendsten Dichter des 18. Jahrhunderts in Deutschland, der schon eher dem aufkommenden Sturm und Drang als der Barockdichtung zuzuordnen ist. - Goethe beschied ihm in Dichtung und Wahrheit ein großes Talent. - Ohne das gestochene Frontispiz (in Photographie dabei). - Wappen-Ex-Libris auf Innendeckel. Schönes Exemplar.


HOFFMANNSWALDAU - NEUKIRCH, Benjamin (Hrsg.).
Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesener und bisher ungedruckter Gedichte. Erster (-) siebender Theil. Nebenst einer vorrede von der deutschen poesie. Mischauflage. 7 Teile in 5 Bänden. Leipzig, Fritsch (1-4); Frankfurt und Leipzig, Blochberger, Straube (Teil 7), 1697-1734. 8°. Mit gestochenem Frontispiz. 4 Pappbände des 19. Jahrhunderts (1-4) und blindgeprägtes Schweinsleder der Zeit (5-7), (etwas beschabt, leicht fleckig). € 1.800,00

Teile 2 und 7 in erster, die anderen Teile in zweiter Auflage. Komplett sehr selten. - Goed. III, 269, 5; Faber du Faur 1345 u. 1346. - Wichtigste Sammlung der deutschen Lyrik des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Bände 1 und 2, herausgegeben von Benjamin Neukirch vereinen verschiedenste Autoren der Hochbarockdichtung, darunter Hoffmannswaldau, Lohenstein, Gryphius, Hancke, Besser, Knorr von Rosenroth, Canitz, Neukirch u.a., die anderen Teile mit verschiedenen, teils unbekannten Herausgebern. Der siebente und letzte Teil erschien erstmals zusammen mit der dritten bzw. zweiten Auflage der vorangegangenen Teile und verzeichnet die Autoren des Spätbarocks, wie Gottsched, Günther, Hölmann, Königsmark, Burckhard, usw. - Teils gebräunt, sonst gutes Exemplar.


(HOFFMANN VON HOFFMANNSWALDAU, Christian).
Deutsche Übersetzungen und Gedichte. Breslau und Leipzig, Hubert, 1717. 8°. 20 nn. Bl., 192; 158 S., 7 nn. Bl., 160; 32; 80; 128; 64 S.; 22; 4; 4 nn. Bl., mit 2 gestochenen Porträts und 9 (1 doppelblattgroßen) Kupfertafeln. Leder der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, (etwas beschabt, Gelenke unterlegt). € 780,00

Goedecke 3, 269, 4; Hayn/G. III, 322; vgl. Faber du Faur 1285 (Ausg. 1710). - Dekorativer Sammelband mit 10 Einzelschriften eines der wichtigsten Vertreter der sogenannten zweiten schlesischen Schule. Hoffmann von Hoffmannswaldau gilt als der Begründer des "galanten Stils" in der Literatur.
Enthält: Titel, 20 Bl.; Der getreue Schäfer. 192 S. Mit gestochenem doppelblattgroßen Frontispiz und 5 Kupfertafeln 192 S.
Der sterbende Socrates. S. (5)-158. Mit Frontispiz und gestochenem Porträt.
Helden-Briefe. 7 nn. Bl., 160 S., mit gestochenem Titel.
Poetische Geschichtsreden. 32 S.
Begräbniß-Gedichte. 80 S.
Geistliche Oden und Vermischte Gedichte. 128 S. Mit zahlreichen typographischen Noten.
Hochzeit-Gedichte. 64 S.
Lohenstein,D,L.v. Lob-Rede...Hrn. Christian von Hofmannswaldau...O.O., Fellgiebel. 22 Bl. , mit gestochenem Porträt und gestochenem Frontispiz.
Gryphius,C. Das bethränte Breßlau. 4 Bl.
Mühlpfort,H. Illustrem et Magnificum Reipuplicae Wratislaviensis...4 Bl.
- Etwas späterer Druck der sogenannten Fellgiebelsche Ausgabe, die je nach Bedarf in unterschiedlicher Reihenfolge zusammengebunden wurde. - Von den 15 Kompositionen werden 8 Melodien in den "Geistlichen Oden" J.S.Bach zugeschrieben. - Papierbedingt etwas gebräunt.


EINBAND - SCHULZE, Ernst.
Die bezauberte Rose. Romantisches Gedicht in drei Gesängen. Dritte Auflage. Leipzig, Brockhaus, 1820. 8°. Gestochenes Porträt, 175 S., mit 6 Kupferstichtafeln. Blaues Maroquin der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, doppelte goldgepägten Deckelfileten, gefüllt mit goldgeprägter Blumenranke, Steh- und reicher Innenkantenvergoldung, Goldschnitt, (gering beschabt). € 480,00

Goedeke VI, 373, 7, vgl. Rümann 1508 (4. Ausgabe). - Das bekannteste Gedicht des romantischen Dichters Ernst Schulze (1789 -1817), das er 1816 bei einem Literaturwettbewerb des Brockhaus-Verlages einreichte. 1817, kurz vor seinem tragischen frühen Tod ereilte ihn die Nachricht, dass er damit den Wettbewerb gewonnen hatte. Die Geschichte des Poems traf den Geist der Zeit und eroberte die Herzen der Leser und erzielte sogar eine höhere Auflage als Goethe. - In der größeren, illustrierten Ausgabe, mit den Kupferstichen von Delvaux nach Georg Emanuel Opiz. - Etwas stockfleckig. - Sehr schönes Exemplar in einem dekorativen Biedermeiereinband.


HEINE, Heinrich.
Neue Gedichte. Zweite Auflage. Hamburg, Hoffmann und Campe, Paris, Dubochet & Cie., 1844. 8°. 1 nn. Bl., 343 S. (ohne die Vorrede). Halbleder der Zeit mit Rückentitel, (leicht beschabt). € 120,00

Zweite, im Jahr der Erstauflage erschiene Ausgabe. - Goedeke VIII,50,74a. - Ohne die neue Vorrede, die nicht allen Exemplaren beigegeben wurde. - Name (Genth) auf Titel, sonst sehr schönes, sauberes Exemplar.


HOLTEI, Karl von.
Schlesische Gedichte. Berlin, Haude und Spener, 1830. 8°. VI, 162 S. Flexibler Karton der Zeit, (etwas beschabt, Rücken mit etwas anderem Bezugspapier überklebt). € 120,00

Erste Ausgabe. - Goed. IX, 520, 66. - Sammlung von Gedichten und Liedern in schlesischer Mundart, mit zahlreichen Notenbeispielen. Am Anfang ein Widmungsgedicht an Goethe. - Am Ende Erklärungen der in den aufgeführten Gedichten vorkommenden Provinzialismen. - "Die Litteraturgeschichte kennt wenig Lebensläufe die so bewegt sind wie der Holtei's, der... zu den populärsten modernen deutschen Dichtern zählt..." (ADB 13, 3). - Stempel und Name auf Innendeckel, Stempel mit Abklatsch auf Titel, gering fingerfleckig.


BEAR PRESS - EICHENDORFF, Joseph von.
Mondnacht. Bayreuth, Bear Press, 2000. 4°. 103 S., 1 nn. Bl., mit 17 Originalfarbholzschnitten von Hanns Studer. Originalhalbpergament in Originalschuber mit goldgeprägtem Rückentitel, (minimal angestaubt). € 500,00

Eins von 150 nummerierten und vom Künstler signierten Exemplaren auf VL-Bütten in einem Handeinband. - 26. Druck der Bear Press.


MÖRIKE, E(duard) und W(ilhelm) ZIMMMERMANN (Hrsg.).
Jahrbuch schwäbischer Dichter und Novellisten. Stuttgart, Balz, 1836. 8°. Mit gestochenem Fronstispiz, 5 nn. Bl., 377 S. Etwas späteres Halbleder mit Rückenschild und leichter Rückenvergoldung, (leicht beschabt). € 340,00

Erste Ausgabe. - WG - Mit dem hübschen gestochenen Frontispiz von A. Gnauth nach J. Nisle. Unter den verschiedenen Beiträgen ein Märchen Mörikes, "Der Schatz", das in Einzelausgabe zur Zeit Mörikes nicht erschien. - Das zusammen mit dem Politiker Wilhelm Zimmermann herausgegebene Jahrbuch erschien nur in diesem Jahrgang. Weitere Beiträge von A.Treuburg, Julius Krais, Ludwig Bauer und Karl Mayer. - Leicht stockfleckig.


RÜCKERT, Friedrich.
Poetische Werke. 12 Bände. Frankfurt am Main, Sauerländer, 1868-1869. Klein-8°. Mit 2 gestochenen Porträts. Gering späteres Halbleder mit Rückentitel, (minimal beschabt). € 180,00

Erste Ausgabe. - Goedeke VIII, 174, 222; WG 43; ADB 29, 453. - Erste große Ausgabe der Werke Friedrich Rückerts. - "R.s Werk beschränkt sich nicht auf die bloße poetische Widerspiegelung der politischen Ereignisse seiner Zeit, sondern entwirft literarische Gegenwelten zu ihnen..." (NDB 22, 209). - Minimal stockfleckig. sehr gutes Exemplar.


WIDMUNGSEXEMPLAR - RAUSCH, Albert H.
Das Buch der Trauer. Gedichte aus den Jahren: 1902-1907. Zweite vereinigte Ausgabe der Bücher "Die Urner" und "Das Buch für Tristan". Frankfurt, Schirmer & Mahlau, 1911. 8°. 159 S. Originalpappband mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel, sowie Deckelfileten, (gering beschabt). € 220,00

Erste Ausgabe dieser Zusammenstellung. - WG 9 (Benrath). - Albert Heinrich Rausch (1882-1949) wurde vor allem unter Pseudonym Henry Benrath bekannt. - Mit einer 9-zeiligen handschriftlichen Widmung (vermutlich für den Freund Richard Beste) von 1912 auf dem ersten Blatt. - Schönes Exemplar.


DÄUBLER, Theodor.
Das Nordlicht. Florentiner Ausgabe. 3 Bände. München, Leipzig, Georg Müller, 1910. Groß-8°. Rotes Maroquin der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, Rückenschildern, goldgeprägten mehrfachen Deckelfileten und Eckfleurons, Innenkantenvergoldung und Kopfgoldschnitt, (Kanten minimal beschabt). € 1.200,00

Erste Ausgabe. - WG 1; Raabe 55, 1. - Eins von 700 nummerierten Exemplaren. - 1) Das Mittelmeer; 2. Pan. Orphisches Intermezzo; 3. Sahara. - Wichtiges, vom beginnenden Expressionismus begeistert aufgenommenes Erstlingswerk Theodor Däublers (1876-1934), an dem er bereits seit 1898 arbeitete. Der Autor zeigt mit diesem wortmächtigen Versepos seine Meisterdschaft des Klangs, des Versmaßes und des Reims und wurde bereits 1916 von dem noch jungen Carl Schmitt enthusiastisch interpretiert. - In signierten Meistereinbänden von F. Rennemüller, Berlin.


EXPRESSIONISMUS - KNOBLAUCH, Adolf.
Kreis des Anfangs. Frühe Gedichte. Berlin, Der Sturm, 1916. 4°. 2 (von 3?) nn. Bl., S. 7-121, 3 nn. B. Gelbes Maroquin der Zeit (signiert Holzhey u. Sohn) mit vergoldeten Deckelfileten und Rückenschild, Innenkantenfileten und Kopfgoldschnitt in grünem Schuber mit Lederkanten, (etwas stockfleckig). € 200,00

Erste Ausgabe. - Raabe/Hannich 160, 3. - Seltene Veröffentlichung aus dem Kreis um Herwarth Walden mit expressionistischer Lyrik. - Eins von 300 (GA 310) nummerierten Exemplaren (es fehlt das Blatt mit der Nummerierung). - Die ersten und letzten Blatt gering stockfleckig. Dekoratives Exemplar.


RILKE, Rainer Maria.
Vergers suivi des Quatrains Valaisans. Paris, Èditions de la Nouvelle Revue Francaise, 1926. Klein-8°. 91 S., 1 nn. Bl., mit 1 Holzstichporträt von Aubert nach Baladine. Grüner Originalumschlag mit Deckeltitel, (minimal unfrisch). € 150,00

Erste Ausgabe. - WG 44; Ritzer E 74. - Gutes Exemplar der Normalausgabe der französischen Gedichte Rilkes. - Minimal stockfleckig.


RILKE, Rainer Maria.
Die Sonette an Orpheus. Geschrieben als ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop. Leipzig, Insel, 1923. 8°. 63 S., 1 nn. Bl., Grüner Originalkalbsledereinband mit goldgeprägter Deckelvignette, mehrfachen Deckelfileten, Rückenschild, Innenkantenvergoldung und Kopfgoldschnitt, (leicht beschabt, 4 kleinere Abriebstellen auf dem Deckel, etwas verfärbt). € 2.000,00

Erste Ausgabe. - WG 41; Sarkowski 1357; Ritzer E 46. - Eins von 300 nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten und in der grünen Einbandvariante. Weitere Exemplare wurden in blaues Ganzleder oder in Halbleder gebunden. - Einband signiert H.Sperling, Leipzig. - Druck bei der Offizin W.Drugulin ebenfalls in Leipzig. - Zyklus von 55 Gedichten, die Rilke im Jahr 1922 verfasste und die für den Autor im engen Zusammenhang mit den ebenfalls im Jahr 1923 veröffentlichen "Duineser Elegien" stehen. - Minimal angestaubt, gutes Exemplar.


KÄSTNER, Erich.
Lärm im Spiegel. Leipzig, Wien, C.Weller, 1929. 8°. 110 S., 1 nn. Bl. Illustrierte Originalbroschur mit Rückentitel, (etwas fleckig, Umschlag mit kleinen Randeinrissen). € 120,00

Erste Ausgabe. - WG 2; Hatry 143; Sauer 518. - Umschlagzeichnung und Vignetten von Rudolf Grossmann. - "Ein lyrischer George Grosz (Hermann Kesten)!" (Sauer). - Leicht fleckig und eselsohrig, Name auf Vortitel.


BENN, Gottfried.
Ausgewählte Gedichte 1911-1934. Stuttgart, Berlin, Deutsche Verlags-Anstalt, 1936. 8°. 104 S., 1 w. Bl., 1 nn. Bl. Originalleinen mit Rücken- und Deckeltitel, (minimal beschabt). € 1.200,00

Erste Ausgabe, selten. - WG23; Lohner 1.82; Raabe 24.22. - Dieser erste Druck der ersten Ausgabe enthält noch die 5 von der NS-Behörde verbotenen Gedichte: Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke - D-Zug - Untergrundbahn - O Nacht und Synthese, die bereits in der nächsten Ausgabe im selben Jahr entfernt und durch 7 andere Texte ersetzt wurden. Die Gedichtsammlung erschien anlässlich des 50. Geburtstages von Gottfried Benn und ist die letzte vor seinem Publikationsverbot während der NS-Zeit. - Name auf Vorsatz, Schnitt gering stockfleckig.


KALEKO, Mascha.
Verse für Zeitgenossen. Cambridge, Schoenhof Verlag, 1945. 8°. 63 S. Originalleinen mit Rücken- und Deckeltitel, (etwas fleckig und lichtrandig). € 200,00

Erste Ausgabe. - Sternfeld/Tiedemann 252. - Die im amerikanischen Exil veröffentlichten Gedichte der jüdischen Dichterin Mascha Kaleko (1907-1975) erschienen erst 1958 erneut bei Rowohlt. - "Ihre Gedichte sind unlösbar Ausdruck ihres persönlichen Lebens und Schicksals. Sie stehen für ihre ganze Existenz. ... Sie versucht ihrer Sehnsucht nach Deutschland durch Poesie zu entrinnen. Ihre Exilgedichte erschienen 1945 in dem Band ›Verse für Zeitgenossen‹ in Cambridge, USA. Das durfte man durchaus als Erfolg werten, war es doch einer der wenigen Lyrikbände in deutscher Sprache, die damals in den Vereinigten Staaten erschienen sind." (www.maschakaleko.com). - Innengelenk mit Tesa geklebt, papierbedingt etwas gebräunt.


UECKER - AJDI, Gennadij.
Reiner als Sinn. Deutsch von Felix Philipp Ingold. St.Gallen, Erker, 1997. 4°. 15 nn. Bl., mit 4 (2 wiederholten, lose beiliegenden) signierten, nummerierten und datierten Originallithographien von Günther Uecker. Lose in Originalbroschur mit Rücken- und Deckeltitel, Originalbauchbinde beiliegend, (Bauchbinde zerrissen). € 1.900,00

Eins von nur 30 römisch nummerierten Exemplaren (insgesamt 150 Exemplare) der Vorzugsausgabe, der die beiden im Text enthaltenen Originallithographien nochmals lose beiliegen. - Im Druckvermerk nummeriert und vom Autor, Übersetzer und Günther Uecker signiert. - Die russischen Texte wurden von Gennadij Ajgi im Steindruck-Atelier direkt auf Stein geschrieben und dort, zusammen mit den deutschen Übersetzungen, gedruckt.


TORRENTINUS, Hermann.
Elucidarius poeticus continens historias poeticas fabulas, insulas, regiones, urbes, fluvios, montes & insigniores.... (Venedig, Guadagninus, 1548. Klein-8°. 92 num. Bl., mit Titelholzschnittbordüre und Holzschnittdruckermarke. Neuer Pergamentband. € 600,00

Gilt als das erste historische Wörterbuch zum poetischen Gebrauch und erschien erstmals 1498. Beinhaltet geographische, sowie historische und mythische Namen. - Gering fleckig.


(HUGO VON TRIMBERG).
Der Renner. Ein schön und nützlich buch, Darinnen angezeygt wirdt, eynem Jegklichen Welcher wirden, wesens, oder Stadts er sey, so wol Geystliches, als des understen des Weltlichen Regiments, darauf er sein lebn zubessern.... Mit viel schönen sprüchen.. Jitzunder allererst im Truck außgangen. Frankfurt, Cyriacus Jacob zum Bock, 1549. 4°. 122 (von 123) Bl., mit Holzschnitt-Druckermarke. Halbleder des 19. Jahrhunderts mit Rückenschild und etwas Rückenvergoldung, (etwas beschabt, Kanten etwas bestoßen). € 12.000,00

Erste Ausgabe, ausgesprochen selten. Exemplar aus dem Besitz von Richard Zoozmann. - Goedecke I, 265, 4; VD 16, H 5853. - Der Renner ist das einzige erhaltene deutschsprachige Werk Hugos von Trimberg, einem Bamberger Schuldirektor (um 1230-1313). Neben dem Freidank war es das am meisten geachtete Lehrgedicht des Mittelalters und wurde in zahlreichen Handschriften verbreitet. - "Hugo bezieht die Hauptsünden auf die mittelalterliche Ständegesellschaft seiner Zeit und unterwirft die einzelnen Stände einer harschen Kritik. Adel und Geistlichkeit kritisiert er ebenso wie die habgierigen Emporkömmlinge, die adeliges Gebaren nachahmen (v. a. die Ausführungen zu "halpritter" V. 1.459-1.712). Ritterlich-höfischer Kultur steht er verständnislos gegenüber (etwa V. 11.567ff.), sie spiegelt für ihn nur den Verfall der alten, jedoch vergessenen Weltordnung. Für die Armen und Machtlosen aber hegt Hugo Sympathie." (R.K.Weigand in: Historisches Lexikon Bayerns - online). - "Ein Lehrgedicht ohne festen Plan, mehr eine allgemeine Strafpredigt, aber frisch, lebhaft geschrieben und weil kein System, wie bei Thomasin, hemmte, mit unbefangener Leichtigkeit gedichtet, durch Fabeln und kleine Erzählungen mannigfach belebt." (Goedecke) - Blatt 33 handschriftlich um 1900 im Stil der Druckschrift ergänzt. - Gering stockfleckig. Ex-Libris auf Innendeckel, alte Katalogeinträge, sowie handschriftliche Anmerkungen auf fliegendem Vorsatz; Name (Zoozmann) auf Titel verso, Ex-Libris (St. Sitt. in Cöln) auf hinterem Innendeckel. - Exemplar aus der Sammlung des deutschen Autors und Übersetzers Richard Zoozmann (1863-1934), von dem auch das handschriftlich ergänzte Blatt stammt (siehe Eintrag auf Vorsatz). Noch heute wird sein "Zitatenschatz der Weltliteratur" aufgelegt.

NOTIZEN AUS FRANKFURT

Frankfurter Dom & Poesie Lyrik lesende Menschen in der Umgebung der Braubachstraße zu finden, haben wir uns schwieriger vorgestellt, doch bereits der zweite Anlauf - nämlich unser Gang zu dem nicht weit entfernten Kaiserdom St. Bartholomäus - war erfolgreich. Der sehr freundliche aus Angola stammende Portier Carlos Feijo mochte uns sogleich zwei seiner poetischen Begleiter anvertrauen. Antonio Agostinho Neto und Fernando Pessoa. Neto war nicht nur Dichter, sondern auch Arzt und in den 70er Jahren erster Staatspräsident von Angola. In der gleichen Zeit sind einige seiner Gedichte in deutscher Sprache erschienen, nämlich im Reclam Verlag in Leipzig und hier in Frankfurt im Röderberg-Verlag. Die Werke des portugiesischen Autors sind der deutschsprachigen Leserschaft vor allem in einer frühen Ausgabe durch den Suhrkamp Verlag sowie aufgrund der zahlreichen Veröffentlichungen durch den Amman Verlag bekannt geworden.
Trotz aller Widrigkeiten, Renovierungsarbeiten und Corona-Virus, kann der Dom besucht werden. Auf der unteren Abbildung sehen wir
eine getönte Lithographie von und nach Domenico Quaglio von 1819. Es ist, so behaupten wir, eine der schönsten Darstellungen des Frankfurter Doms. Die Geräusche der zahlreichen Vögel und die Stimmen der Bürger mögen poetische Qualitäten besessen haben.

DER MEDIZINISCHE FREITAG


Zumeist gruselig aber nicht ohne Faszination sind für uns Illustrationen, die aus dem Gebiet der Medizin stammen: Sägen, Bohrer, Messer und einzelne abgetrennte Körperteile. Anschaulich sind handkolorierte Nervenstränge oder auch roboterähnliche Körperdarstellungen, die aus dem Werk von Hieronymus Fabricius ab Aquapendente von 1666 stammen. Harmlos bis fantastisch wirken hingegen die sogenannten Monster, die unsere Vorstellungen von Außerirdischen genährt haben könnten. 1634 erschien das Buch De Monstrorum natura, caussis et differentiis von Fortunio Liceti. Hier werden Missbildungen und Abnormitäten aufgeführt, die aus der damals zur Verfügung stehenden Literatur vom Autor gesammelt worden sind. Es ist vor allem die naive Vorstellung des Illustrators, der mit diesen Abbildungen das Bild des Menschen auf faszinierende Art  erweitert hat und uns fabelhafte als auch surrealistische Lebewesen zeigt: der selbstbewusste Elefantenmensch lässt eine Fliege auf seinem Rüssel sitzen, das Schaf zeigt unter seiner prächtigen Gurkennase einen ebenso prächtigen Schnurrbart, Rinder fliegen wie Libellen, Libellen wie fliegende Fische, ein anderes Rind hat den Kopf eines bärtigen Gelehrten und ein Hahn gibt mit seinen vielen Beinen an.
Eine weitere sehr seltene Schrift von 1589 ist das Tractat von den aller fürtrefflichen und kräfftigsten Artzney wider allerley gifft, welches der Stein Bezaar ist…, das Wirkungen eines ganz besonderen Steines beschreibt, nämlich des Bezoarsteins. Der Konstanzer Stadtarzt Hieblin betont in dieser Veröffentlichung, dass Rafis, unter den Arabern der Hochgelehrteste, den Stein zweimal probiert und in ihm fürtreffliche Kraft und Tugend gefunden habe. Obwohl sich ebenso Hamech Beneripho und Abdala Marach als auch andere Gelehrte für diesen Stein ausgesprochen haben, konnten wir uns zu einem Selbstversuch allerdings noch nicht entschließen, da dieser gelbfarbige, weiche Stein ein Klumpen aus dem Magen einer Katze oder eines Greifvogels ist, der aus nichtverdaulichen Resten gefressener Beutetiere besteht. So halten wir uns lieber an die Ratschläge von Monsieur Hecquet, um uns vor der Pest und anderen ansteckenden Krankheiten zu schützen. Ausführliche Rezepturen lassen sich nachlesen in Arzney und Chirurgie der Armen aus dem Jahre 1781.

In den Notizen aus Frankfurt erfahren unsere Leser weitere gesundheitsfördernde und vor allem verführerische Maßnahmen, die man bei einem Besuch in der Braubachstraße nutzen kann.

 

 


HEISTER, Lorenz.
Institutiones Chirurgicae, in quibus quidquid ad rem chirurgicam pertinet, optima et novissima ratione pertractatur. Editio altera... 2 Bände. Amsterdam, Janssonius-Waesberge, 1750. 4°. Gestochenes Porträt, 1 nn. Bl., VIII, 56 S., 4 n. Bl., 8, 599 S.; 1 nn. Bl., S. 600-1187, 26 nn. Bl., mit 40 gefalteten Kupfertafeln. Leder der Zeit mit Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung, (Vordergelenk von Band 1 restauriert, etwas berieben und bestoßen). € 1.200,00

Zweite, nach 1739 bei Janssonius gedruckte Ausgabe. - Hirsch-H. 341; Waller 4263; Blake 204; Wellcome III, 237; vgl. Garrison-M. 5576 (Ausgabe 1718). - Hauptwerk Heisters (1683-1758), das in seiner deutschen Erstausgabe, jedoch mit geringerer Tafelanzahl bereits 1719 erschien und in viele Sprachen übersetzt wurde. Er gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie in Deutschland. - " Heister is the founder of scientific surgery in Germany. His book contains many interesting illustrations and includes an account of tourniquets used in his time; Heister introduced a spinal brace." (Garrison-Morton). - Band 1, Seite 104 mit großem Tintenfleck, teils etwas wasserrandig bzw. braunfleckig. Vorsatz und Titel von Band 1 mit Einträgen von alter Hand.


HEISTER, Lorenz.
Compendium Anatomicum totam rem anatomicam brevissime complectens. Editio altera... Altdorf und Nürnberg, Kohles und Adolph, 1719. 8°. Gestochenes Porträt, 2 nn. Bl., XXVI, 238 S., 9 nn. Bl., mit 4 gefalteten Kupfertafeln. Pergamentband der Zeit, (Rückenbeschriftung etwas verblasst). € 480,00

Zweite Ausgabe, selten. - Vgl. Blake 204, Wellcome III, 236. - "Heister ist der Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie in Deutschland." (Hirsch-H.). - Sein "Compendium Anatomicum" war lange Zeit maßgeblich für die Anatomieausbildung an Universitäten und erlangte zahlreiche Auflagen. - Minimal stockfleckig, schönes Exemplar.


DIEFFENBACH, J(ohann). F(riedrich).
Chirurgische Erfahrungen, besonders über die Wiederherstellung Zerstörter Theile des menschlichen Körpers nach neuen Methoden. Berlin, Enslin, 1829. 8°. VI S., 1 nn. Bl., 102 S., mit 2 eingefalteten lithographischen Tafeln. Schlichter Pappband der Zeit, Originalbroschur auf Deckel montiert, (gering fleckig und minimal beschabt). € 1.200,00

Erste Ausgabe. - Hirsch/H. II 263; Garrison-M. 5743; Waller 2441. - Dieffenbach (1792-1847) gilt als der Wegbereiter der Transplantation und als Vater der plastischen Chirurgie. Von besonderer Bedeutung wurden seine Nasenrekonstruktionen, wobei er sich in Indien und Italien erprobte Methoden zunutze machte. Seine Erfahrungen auf dem Gebiet der Gesichtserneuerung, die auch die Behandlung von Lidverwachsungen, Wolfsrachen, Hasenscharten und anderer Missbildungen umfasste, machte er in zahlreichen Schriften der Fachwelt zugänglich. Auf Grund seiner Erfahrungen auf dem Gebiet veröffentlichte er in den folgenden Jahren bis 1934 drei weitere Abhandlungen unter dem gleichen Titel. - Dieser, noch nicht als Serie gedachter, erste Teil umfasst Kapitel über den Wiederersatz der Nase, über die Bildung der Lippen bei Verschließung des Mundes, den Wiederersatz des zerstörten Gaumensegels usw. - Ränder etwas gebräunt, gutes Exemplar.


DESAULT, (Pierre Joseph).
Auserlesene chirurgische Wahrnehmungen nebst einer kurzen Uebersicht der chirurgischen Vorlesungen, welche im Hotel Dieu zu Paris gehalten werden. Aus dem Französischen. 10 (von 12) Bänden in 2 Bänden. Frankfurt, Fleischer, ab Band 5: Guilhauman, 1791-1801. 8°. Mit 6 (von?) gefalteten Kupfertafeln. Pappbände der Zeit mit Rückenschildern und leichter Rückenvergoldung, (leicht beschabt und bestoßen). € 400,00

Erste deutsche Ausgabe. - Hirsch/H. II, 232. - Abhandlungen zu verschiedenen Bereichen der Chirurgie durch den berühmten französischen Chirurgen Pierre-Joseph Desault (1744-1795). - "er hat die erste chirurgische Klinik in Frankreich und die am besten geleitete in Europa geschaffen und bald strömten auch die Schüler aus dem Auslande nach Paris..." (Hirsch/H.). - Minimal stockfleckig. Gutes Exemplar.


FABRICIUS AB AQUAPENDENTE, Hieronymus.
Opera Chirurgica in pentateuchum, et operationes chirurgicas distincta. Cum indice locupletissimo capitum, et rerum. Editio quinta et vigesima. Padua, de Cadornis, 1666. Folio. 4 nn. Bl., 1 w. Bl., 364, 31 S., mit 9 Kupfertafeln. Pergament der Zeit mit handschriftlichem Rückentitel, (ohne die Bindebänder, leicht fleckig, unteres Kapital etwas bestoßen). € 1.100,00

Fünfte Ausgabe. - Wellcome III, 4. - Der nach seiner Geburtsstadt Aquapendente benannte Girolamo Fabriz(z)i, lateinisiert Hieronymus Fabricius (1533/37 - 1619) gilt als einer der bedeutendsten Anatomen und Chirurgen seiner Zeit und als der Begründer der modernen Embryologie. - So beschreibt er unter anderem ausführlich die Operationen der Hasenscharte, der Bronchotomie und des Bruchschnitts. - "Scharfe Beobachtung der Details und geistvolle Vergleichung der Befunde sind ihm gleich eigen." (Hirsch/H. 2, 461). - Die Tafeln mit Darstellungen chirurgischer Instrumente. - Besitzeintrag von 1670 und 1750 auf Titel bzw. Vorsatz, Ränder teils gering fleckig.


SPRENGEL, K(arl) und Wilhelm.
Geschichte der Chirurgie. 2 Teile in 1 Band. Halle, Kümmel, 1805-1819. 8°. 5 nn. Bl., 471 S.; 6 nn. Bl., 903 S. Pappband der Zeit mit Rückenschild und leichter Rückenvergoldung, (beschabt, Ecken und Kapitale bestoßen und berieben). € 340,00

Erste Ausgabe. - Hirsch/H. V, 374/375. - Karl Sprengel (1766-1833), ein bedeutender Botaniker seiner Zeit, wurde vor allem als Medizinhistoriker bekannt. - Der erste Teil, von Karl Sprengel (1766-1833) unter dem Titel: Geschichte der wichtigsten chirurgischen Operationen. Der zweite, erst 1819 erschienene Teil, wurde von seinem Sohn Wilhelm Sprengel (1792-1828) verfasst. - Enthält u.a. Kapitel zum Kaiserschnitt, Amputationen, Operationen von Aneurysmen, der Augen, Nase und Ohren. - Minimal stockfleckig.


PORTA, Giovanni Battista della.
De Humana Physiognomonia libri IV. Qui ab extimis, quae in hominum corporibus conspiciuntur signis.... Editio postrema priori correctior. Frankfurt, Hoffmann für Fischer Erben, 1618. 8°. 6 nn., 2 w. Bl., 402 S., 21 nn. Bl., mit zahlreichen Textholzschnitten und Holzschnitt-druckermarke auf dem Titel. Pergament der Zeit mit neuerem Rückenschild, (etwas beschabt und gering fleckig). € 540,00

Wohl zweite in Deutschland gedruckte Ausgabe. - Wellcome I, 5199; Krivatsy 9182; Osler 3715; Hirsch-H. 612; vgl. Garrison-M. 150. - Gilt als eines der ersten Werke über Physiognomie. - "Della Porta preceeded Lavater in attempting to estimate human character by the features. He was the founder of physiognomy, and this is one of the earliest works on the subject." (Garrison). - Gering stockfleckig, geschwärzter Stempel auf Titel verso.


OSTERLEN, Fr(iedrich).
Handbuch der Hygieine für den Einzelnen wie für eine Bevölkerung. Tübingen, Laupp, 1851. 8°. XII, VI., 837 S. Halbleinen der Zeit mit Rückentitel, (Ecken und Kanten bestoßen, leicht fleckig).
€ 180,00

Erste Ausgabe. - Hirsch/H. 4, 415. - Der deutsche Pharmakologe und Arzt Oesterlen (1812-1877) studierte in Tübingen und praktizierte nach Aufenthalten an verschiedenen Orten in Heidelberg, wo er als Privatdozent Vorlesungen über Heilmittellehre und Hygiene hielt. - Das hier vorliegende Werk gilt als das erste, das die damals bereits in Frankreich und England gewonnenen Erkenntnisse auf diesem neuen Gebiet bekannt machte. - Beinhaltet die Einflüsse der geographischen und klimatischen Gegebenheiten, die Ernährung, Kleidung, Wohnsituation, Tätigkeit usw. - Gering stockfleckig, Seitenränder leicht gebräunt.


(STAHL, Georg Ernst).
Der medicinischen Eröffnung Erster Haupt-Theil, bestehend in Zwölf Schlüsseln, durch welche die Gebrechen des menschlichen Leibes, wie auch die Cur dererselben nach der Allerneuesten Stahlianischen, sonderlich beliebten Lehr-Art... vorgezeiget werden.... 6 (von 12) Teilen in 1 Band. Leipzig, Coerner, 1724. 8°. 16 nn. Bl., 642 S. Pergament der Zeit, (leicht fleckig). € 280,00

Erste deutsche Ausgabe. - VD18 1095161X. - Die ersten 6, von 12 Teilen, basierend auf der Lehre des großen Systematikers Georg Ernst Stahl (1660-1734). - "Stahl was an epoch-making man both in medicine and in chemistry." (Ferguson S. 399). - Mit Abhandlungen zu den Blutflüssen, Nasenbluten, Menstruation, Reinigung nach der Geburt, Kopf-und Ohrenschmerzen, Zahnschmerzen, etc. - "Stahl (gilt als) der dritte in dem berühmten Dreigestirn der großen Systematiker des 18. Jahrh. neben Boerhaave und Hoffmann." (Hirsch/H. V, 384). - Minimal gebräunt.


JACKSON, Robert.
Über die Fieber in Jamaika, aus dem Englischen übersetzt, mit Anmerkungen und Zusätzen von Kurt Sprengel. Leipzig, Schäfer, 1796. 8°. X, 262 S. Pappband der Zeit mit Rückenschild, (etwas berieben, Ecken leicht gestaucht). € 240,00

Erste deutsche Ausgabe, selten. - Hirsch/H. III, 387; Engelmann 208. - Der englische Militärarzt Robert Jackson (1750-1827) veröffentlichte 1791 die englische Originalausgabe. In den Jahren 1774-78 bereiste er selbst Westindien und Nordamerika und machte dort zahlreiche Studien zum Verlauf des Typhus und Gelbfiebers, sowie weiterer mit Fieber einhergehender Erkrankungen. - Namensstempel auf Titel, leicht stockfleckig.


HIPPOCRATES.
De Humoribus Purgandis liber et de Diaeta acutorum libri tres. Cum commentariis integris Ludovici Dureti... Cum eiusdem auctoris interpretatione Petrus Girardetus... Iterum recensuit.... adiecit Iustus Godofredus Günz. Leipzig, Lankisian, 1745. 8°. 26 nn. Bl., 444 S., 8 nn. Bl. Etwas spätere Pappband mit handschriftlichem Rückentitel, (etwas beschabt und fleckig). € 180,00

Erste Ausgabe dieser Bearbeitung. - Griechisch-lateinischer Paralleltext mit Kommentaren in Latein. - Minimal stockfleckig.


HIPPOCRATES.
Hippocratis Coi De Capitis Vulneribus Liber. Latinitate donatus a Francisco Vertuniano. Paris, Pattisonius für Robert Stephanus, 1578. Klein-8°. 4 nn. Bl., 94 S., 1 nn. Bl., mit Titelholzschnittvignette, 1 gefalteten Tabelle und einigen kleinen Holzschnittbordüren bzw. - initialen. Spätere Broschur mit Buntpapier, (leicht beschabt. € 1.200,00

Erste lateinische Einzelausgabe mit dem griechischen Paralleltext, selten. - Wellcome I, 3210; Osler 185; Fichtner 8. - Von Vertunianus (Vertunien) übersetzter und von Scaliger mit einem Kommentar versehener Text zu den Verletzungen des Kopfes. - Die Schrift zählt zu den ersten Schriften der Neuropathologie. - "Die klassische Heilkunde beginnt auch für die Chirurgie des Kopfes mit Hippokrates (460-375 v.Chr.). Mehr als 2000 Jahre lang fanden die Ärzte in der meisterhaften Schrift 'De capitis vulneribus', deren prägnante Beschreibung von erlesenster Beobachtungskunst, von mustergültiger Sorgfalt und wagemutiger Operationslust zeugen, Anregungen und Halt für ihre Ansichten über die Art der Verletzungen, die Wundinspektion, die Bedeutung der Hirnhäute, die Folgen der gekreuzten Nervenbahn, Hinweise auch Indikation für den operativen Eingriff oder exspektatives Verhalten, ..." (CIBA-Zeitschrift, no. 75, S. 2473). - Die gefaltete Tabelle mit einer Auflistung möglicher Schädelfrakturen. - Name von alter Hand auf Titel, Klebespuren auf Innendeckeln, einmontierte Kopie aus Bibliographie verso letzte Seite.


FORENSIK - AMOËDO, Oscar.
Die Zahnheilkunde in der gerichtlichen Medizin. Aus dem Französischen übersetzt unter Berücksichtigung der deutschen gerichtlichen Verhältnisse von Gottlieb Port. Leipzig, Arthur Felix, 1900. 8°. VIII, 441 S., mit 60 Abbildungen im Text. Halbleder der Zeit mit Rückentitel, (gering beschabt). € 1.200,00

Erste deutsche Ausgabe, sehr selten. - Weinberger 8. - Der aus Kuba stammende Arzt und Zahnarzt Louis Oscar Amoëdo y Valdes (1863-1945) gilt als der Begründer der modernen forensischen Zahnmedizin. 1898 veröffentliche er in Paris sein Werk "L’Art Dentaire de Medicine Legale", das hier in der ersten deutschen Ausgabe vorliegt. - "Ein Lehrbuch der gerichtlichen Zahnheilkunde fehlte bisher. Wohl finden wir in der Literatur zerstreut eine ziemliche Anzahl von Einzelabhandlungen, welche gerichtliche Themata behandeln, doch Amoëdo blieb es vorbehalten, die Einzelarbeiten zu sammeln, zu sichten und in einem systematischen Werke zu vereinigen." (Vorwort). - Im 15. Abschnitt wird u.a. über den Brand des Wohltätigkeitsbasars in Paris am 4. Mai 1897, über die Identifizierung der Leichen von Louis XVII., Napoleon I., Napoleon IV. und des Mörders von Lincoln berichtet. - Einige wenige Anstreichungen am Rand. Gutes Exemplar.


ZAHNMEDIZIN - MAURY, F.
Treatise on the Dental Art, founded on actual experience. Translated from the French with notes and additions, by J.B.Savier. Philadelphia, Lea and Blanchard, 1843. 8°. 324 S., mit 242 (recte 241) lithographischen Abbildungen auf Tafeln und 45 Abbildungen im Text. Halbleinwand goldgeprägt. € 750,00

Erste englische Ausgabe, selten. - Vgl. Crowley 949; Hisch-H. IV, 126; Weinberger 95. - Berühmtes Standardwerk, das in mehreren Auflagen und Übersetzungen erschienen ist. Maury nahm für sich die Erfindung der Sonde in ihrer heutigen Form in Anspruch. - Stockfleckig, Name auf Titel.


FOOT, Jesse.
Kritische Untersuchung der alten und neuen Art die Krankheiten der Harnröhre zu behandeln nebst einer verbesserten Methode sie zu heilen. Aus dem Englischen. Altenburg, Richter, 1777. Klein-8°. 110 S., 1 nn. Bl.. Schlichter Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild, (Ecken und Kanten bestossen, fleckig). € 180,00

Erste deutsche Ausgabe, selten. - Erste Veröffentlichung des englischen Mediziners Jesse Foot (1744-1826), der sich nach seinen Reisen nach Westindien und St. Petersburg in London niederließ. - Etwas stockfleckig.


WITHERS, Thomas.
Bemerkungen über die Fehler, die bey dem Gebrauch der Arzneymittel begangen werden. Aus dem Englischen übersetzt. Leipzig, Weidmanns Erben und Reich, 1776. 8°. XVI, 366 S. Halbleder der Zeit mit Rückenvergoldung, (etwas beschabt). € 300,00

Erste Ausgbe. - Blake 493. - Mit Kapiteln zur unsachgemäßen Anwendung des Aderlassens, von Brech- und Abführmitteln, schweißtreibenden Mitteln, von Blasenpflastern, Stimulantien, darunter Wein, Sedidativen, darunter Tee, Kaffee, Tabak, Mohn, etc., sowie von stärkenden Mitteln. - Durchgehend etwas stockfleckig.


PHARMAZIE - WESTRUMB, (J.F.).
Handbuch für die ersten Anfänger der Apothekerkunst. Abteilung I-V (von 6) in einem Band. Hannover, Gebr. Hahn, 1795-1798. 8°. II nn. Bl., IV, 893 S., 1 nn. Bl. Leder der Zeit mit Rückenvergoldung und Rückenschild, (etwas bestoßen, Rücken stärker berieben). € 220,00

Erste Ausgabe der ersten 5 Teile. - Poggendorff II, 1307. - Enthält Kapitel zu den Bestandteilen von Pflanzen, Grundlagen und Zubereitung einfacher Medikamente, zu Salzen und Säuren, sowie tierischen Substanzen. - Mit zeigenössischem Besitzeintrag auf Vorsatz, gering stockfleckig, Blindstempel auf Titel.


PHARMAZIE - HIEBLIN, Christoff.
Tractat von den aller fürtrefflichen und kräfftigsten Artzney wider allerley gifft, welches der Stein Bezaar ist: In welchem seine wunderbarliche Würckungen und Tugenden mit der heylung in den Gifften angezeigt wirdt.... Konstanz, Leonhart Straub, 1589. Kl.-8°. 39 nn. Bl., 1 w.Bl. Modernes Halbpergament. € 1.200,00

Erste Ausgabe. - VD 16, H, 3462, Haller, Bibl. Chirurgica I, 250, nicht bei Waller und Welcome. - Titel in Rot und Schwarz. - Sehr seltene Schrift des Konstanzer Stadtarztes Hieblin (auch Hüeblin oder Hyeble) über Vergiftungen und deren Behandlung mit Gegengiften, hauptsächlich mit Hilfe des sogenannten Bezoarsteins, dem im Altertum und Mittelalter entgiftende und magische Wirkung zugeschrieben wurde. - Titel restauriert mit etwas Buchstabenverlust, diese handschriftlich nachgetragen, durchgängig leicht wasserfleckig, letztes Blatt im Bug verstärkt.


GUASTAVINI, Giulio.
Commentarii in priores decem Aristotelis problematum sectiones. Lyon, Horatius Cardon, 1608. Folio. 4 nn. Bl., 395 S., 6 nn. Bl. Flexibles Pergament der Zeit, (etwas fleckig und aufgebogen, ohne die Schließbänder). € 1.500,00

Erste Ausgabe, selten. - Kommentar des Genueser Mediziners Giulio Guastavini zu den ersten 10 Büchern der pseudo-aristotelischen Problemata. Guastavini versucht die im Text befindlichen Stellen über Homosexualität mit den Moralvorstellungen seiner Zeit zu harmonisieren. Beinhaltet den Originaltext in griechisch und die lateinische Übersetzung von Theodorus Gaza. - Ex-Libris (Cabinet du Docteur Coutenot) auf Innendeckel. Name von alter Hand auf Titel. Am Anfang und Ende leicht gebräunt, gutes Exemplar.


GYNÄKOLOGIE - SIEBOLD, Eduard Casp(ar) Jac(ob) von.
Abbildungen aus dem Gesammtgebiete der theoretisch-praktischen Geburtshülfe, nebst beschreibender Erklärung derselben. Mit theilweiser Beibehaltung der Abbildungen des Maygrier. Zweite umgearbeitete und vermehrte Auflage. Berlin, Herbig, 1835. Groß-8°. IV, II, IV, 393 S., mit 90 (1 gefalteten) gestochenen Tafeln. Pappband der Zeit mit Rückenschild und etwas Rückenvergoldung, (leicht beschabt, Ecken und Kanten etwas bestoßen, alte Inventarnummer auf Rücken).
€ 240,00

Hirsch/H., V, 262; vgl. Waller 8917 (Ausgabe 1828). - Erweiterte Neuausgabe der mit zahlreichen eigenen Textpassagen versehenen Übersetzung von Maygriers 1822 erschienenem Kupferstichwerk zur Geburtshilfe "Nouvelle démonstrations de l'acouchement". - "Wertvoll sind seine 'Abbildungen aus dem Gesamtgebiet der .... Geburtshilfe' " (Hirsch). - Durchgehend stockfleckig und etwas gebräunt.


BAILLIE, Matthew.
Anatomie des krankhaften Baues von einigen der wichtigsten Theile im menschlichen Körper. Aus dem Englischen mit Zusätzen von S.Th. Sömmering. Berlin, Voo, 1794. 8°. XXVIII, 268 S. Pappband der Zeit, (Bezugspapier teils abgeplatzt, Ecken und Kanten beschabt). € 280,00

Erste deutsche Ausgabe. - Wasser 618a; Hirsch/H. 1 291; vgl. Garrison/M. 2281; Wellcome II, 87 (engl. Originalausgabe). - Hauptwerk des, auf dem Gebiet der pathologischen Anatomie tätigen, schottischen Mediziners Matthew Baillie (1761-1823). In der Übersetzung und mit Zusätzen versehene deutsche Ausgabe von Theodor Sömmering. "... first systematic text-book for morbid anatomy, treating the subject for the first time as an independent science." (Garrison). - Minimal stockfleckig.


VETERINÄRMEDIZIN - BOURGELAT, (Claude).
Lehrbegriff der Medicinischen Materie, oder Beschreibung der einfachen Arzeneyen nach ihren Wirkungen; nebst den Medicinischen Formeln. Zum Gebrauche der Lehrlinge in der königl. Vieharzeneyschule zu Lyon. Aus dem Französischen übersetzt. Leipzig, Weidmanns Erben, 1766. 8°. XXIV, 502 S. Pappband der Zeit mit handschtiftlichem Rückenschild, (berieben, Ecken und Kanten bestossen). € 840,00

Erste deutsche Ausgabe, sehr selten. - Vgl. Wellcome II, 214 (franz. Ausgabe). - Claude Bourgelat (1712-1779), Beamter für Hippologie und Veterinärmedizin in Frankreich, gründete 1761 die weltweit erste veterinärmedizinische Schule in Lyon. - Mit Beschreibungen der verschiedenen Arzneien und deren natürlichen Bestandteilen sowie zahlreichen Rezepten. - Leicht braunfleckig, Name von alter Hand auf Titel und Vorsatz.


VETERINÄRMEDIZIN - GURLT, E(rnst) F(riedrich) und C(arl) H(einrich) HERTWIG.
Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte. Berlin, G.Reimer, 1847. Folio. 2 nn. BL., 209, 8 S., mit 10 (6 teilkolorierten) Kupfertafeln. Halbleder des 20. Jahrhunderts mit Rückentitel, (Ecken und Kanten leicht beschabt). € 500,00

Erste und einzige Ausgabe. - NDB 7, 332; vgl. Hirsch/H. II, 914. - Beinhaltet die verschiedenen Operationen von Huftieren und dabei insbsondere von Pferden. Die Tafeln stellen ebenfalls meist Details von Operationen an Pferden da. - Etwas stockfleckig, die Tafeln auch etwas wasserfleckig.


KRÄUTERBUCH - TABERNAEMONTANUS, J. Th.
Neuw vollkommentlich Kreuterbuch, Mit schönen und künstlichen Figuren, aller Gewächs der Bäumen, Stauden und Kräutern, so in Teutschen und Welschen Landen... Darinn viel und mancherley heylsamer Artzney von allerley innerlichen und eusserlichen Kranckheiten, beyde der Menschen und deß Viehes... angezeigt werden. Jetzt widerumb ... mit sonderm Fleiß gemehret, durch Casparum Bauhinum. 3 Teile in 2 Bänden. Frankfurt/M., Hoffmann für Basse und Dreutel, 1613. Folio. 8 nn. Bl., 686 S., 20 (von 30?)nn. Bl.; 4 nn. Bl., 844 S., 25 nn. Bl., mit 2 wiederholten Holzschnitt-Titelbordüren und über 2400 Textholzschnitten. Blindgeprägtes flexibles Pergament der Zeit mit handschriftlichem Rückentitel, Schnitt 3-seitig gepunzt, (etwas berieben, Ränder teils alt restauriert, Ecken und Kanten etwas bestoßen). € 4.800,00

Erste durch C.Bauhin überarbeitete Ausgabe, insgesamt die zweite Ausgabe dieses bekannten, reich illustrierten Kräuterbuchs. - Nissen, BBI 1931; Pritzel 9093; VD17 14:024662T. - "Tabernaemontanus, latinisiert nach seinem Heimatort Bergzabern/Pfalz, studierte 1562 in Heidelberg, war Leibarzt des Joh. Casimir. Der einstige Schüler Bocks sammelte ein Menschenleben lang an einem Herbarium in- und ausländischer Pflanzen und deren Beschreibungen. Er bekämpfte als Arzt die Verwendung der Compositas und empfahl einfache Pflanzenstoffe. Er schuf ein wahres Riesenwerk mit über 2300 Abbildungen. Das erste Werk erschien 1588...1591 das zweite, das mehrmals aufgelegt wurde. 1731 das letzte Mal." (Heilmann 35 und 297). - Für die vorliegende Ausgabe wurden die Holzschnitte noch weiter vermehrt, so dass das Werk mehr als 2400 umfasst. - Neben den Beschreibungen der Arzneiwirkung der Pflanzen finden sich auch zahlreiche Kochrezepte. - Es fehlen wohl 10 Blatt Register im ersten Band, wobei der Register-Titel 10 Register nennt, die hier alle vorhanden sind. Wie meist papierbedingt gebräunt. Band 2 am Anfang etwas angerändert.


HECQUET, Philipp.
Arzney und Chirurgie der Armen. Oder: allgemeines und sehr nützliches Hausarzneybuch für den Bürger und Landmann, in welchem leichte und bewährte Mittel, die sowohl innerliche als äußerliche Krankheiten und Gebrechen des menschlichen Leibes sicher und geschwind zu heilen, an die Hand gegeben werden. Aus dem Französischen übersetzt. Zweyte und verbesserte Auflage. Augsburg, M. Riegers sel. Söhne, 1781. 8°. 8 nn. Bl., 570 S., 11 nn. Bl. Halbleder der Zeit mit leichter Rückenvergoldung und Rückenschildern, (etwas berieben, Ecken und Kanten bestoßen, kleinere Wurmspuren). € 380,00

Zweite deutsche Ausgabe. - Vgl. Hirsch/H. III, 112; Wellcome III, 232 (franz. Ausg.) - Interessante Zusammenstellung verschiedener Ratschläge und Rezepturen des populären französischen Arztes Hecquet (1661-1737). - Enthält Kapitel über Kopfschmerzen, Schlafsucht, Krankheiten der Augen, Ohren und Nase, über die Zähne und das Zahnfleisch, die inneren Organe, Wunden, Geschwulste, die Arme und Beine, die Haut, usw. - Fliegender Vorsatz mit Eckabriss, etwas stockfleckig.


ALCHEMIE - MÜLLER, Joh(ann) El(ias).
Christlicher und vernunfftmäßiger Begriff, vom wahren Uhrsprung der Goldhervorbringenden Wunder-Materie, oder des sogenannten Steins der Weisen: bestehende In einer Meynung, welche nicht allein der Ehre des Allerhöchsten am beförderlichsten, und der Wahrheit am nächsten ist, sondern auch ... (1.) Einer Lands-Obrigkeit, (2.) Eines Landes sämtlichen Einwohnern, (3.) Den Besitzern des grossen Philosophischen Schatzes selbsten fast unschätzbare Vortheile Und eine rechte güldene Zeit ohne die geringste Unkosten ... verursachen kan. Frankfurt, Gleditsch, 1707. 8° 8 nn.Bl., 112 S. Pergament der Zeit, (minimal angestaubt). € 1.200,00

Vorgebunden: VROLINGH, Abraham Leonhard. Der Matrosen Gesundheit Oder Ein nützlicher Tractat von Scharbocke oder Schim(m)el-Seuche. Nebst vielen andern zur See und Lande verfallenden Kranckheiten, darbei viel köstliche Medicamenta communiciret werden: Nebst Putmans Manuali, denen Medicis und Chirurgis... in Niederländischer Sprache geschrieben und anitzo ins Hoch-Teutsche übersetzet von Martino Schurigen. Dresden, Winckler, 1702. 8 nn. Bl., 378 S., 15 nn. Bl.
1) Erste und einzige Ausgabe, selten. - Rosenthal 608; Duveen 417; Ferguson II, 117; Caillet 7860. - Der Autor, Johann Elias Müller warnt in dieser Schrift ausdrücklich vor der ketzerischen Hybris der Alchemie. Da Kunst und Technik letztlich von Gott kommen, darf sich der Mensch dies nicht selbst zuschreiben. - "The author's ideaa is that the philosopher's stone cannot be found by chemical experiments, but that it is in the possession of God only, who communicates it to a choice of mortals." (Duveen).
2) Erste deutsche Ausgabe des 1646 im holländischen Original erschienenen Werkes. - Waller 10061; VD18 11636769. - Seltene Abhandlung über den häufig bei Matrosen und Soldaten vorkommenden, durch einen Mangel an Vitamin C verursachten Skorbut, sowie weitere Krankheiten wie die Ruhr und die Pocken, ab S. 271 die Übersetzung des Manuale zur Behandlung der Pest von Putmann. - Titel mit Eckabriss, dadurch leichter Buchstabenverlust. Leicht gebräunt, einige wenige Anmerkungen in Tinte von alter Hand, schönes Exemplar.


LICETI, Fortunio.
De Monstrorum natura, caussis et differentiis libri duo: In quibus ex rei natura Monstrorum historiae, caussae, generationes, & differentiae plurimae a Sapientibus intactae... Secunda editio correctior... Padua, Frambottus, 1634. Klein-4°. Gestochener Titel, 7 nn. Bl., 262 S., 13 nn. Bl., mit 58 teils wiederholten Kupferstichen im Text. Späterer Pergamentband mit rot übermaltem Rücken, (etwas beschabt). € 3.600,00

Erste illustrierte Ausgabe. - Wellcome I, 3786; Garrison/Morton 534.52; Nissen, ZBI 2501; Graesse, Bibl. Magica 143; Brunet III, 1069. - Berühmtes Werk über Missbildungen und Abnormitäten, wobei die Illustrationen und Beschreibungen auf teils schon bekannte Darstellungen zurückgehen. - "One of the earliest classifications of deformities, Liceti's work was still under review in works on malformation in the 19th century. Includes both real and imaginary cases." (Garrison) - Liceti (auch Licetus, 1577-1657), war Professor für Medizin und Philosophie an der Universität in Padua und verfasste mehrere Werke. Das erstmals 1616 veröffentlichte Werk, ist einer der ersten Versuche, Deformationen zu klassifizieren. Das Buch ist in 10 Teile gegliedert, von denen acht verschiedene Kategorien von menschlichen Monstern betrachten. Darunter solche, denen ein Körperteil fehlt, solche, die einen Teil von abnormaler Größe haben oder solche, bei denen sich Teile deutlich von der natürlichen Form unterscheiden, usw. - -Gestochener Titel etwas knapp beschnitten, 2 Blatt mit alt restaurierten Einrissen, wenige kleinere Fehlstellen im Bug, meist leichter Wasserrand. Vor- und Nachsatz vom Ende des 19. Jahrhunderts.

NOTIZEN AUS FRANKFURT

Medizin & Schokolade Hier in der Braubachstraße kann man unweit des Tresor am Römer in der Chocolaterie Bitter & Zart filigrane, gemusterte, cremeweiße, samtbraune, romantikblaue, pfefferminzgrüne und vor allem glückverbreitende Pralinen auswählen und erwerben. Schokolade ist gesund und so empfehlen wir nach dem Besuch im Antiquariat den Weg in die Nr.14, wo bereits das Weihnachtsgeschäft angelaufen ist, wie man gut auf den unteren Fotos erkennen kann. Auf dem großen Foto ist die freundliche und zuvorkommende Elle Wagner zu sehen, die seit kurzem dort mit zarten behandschuhten Fingern die empfindlichen Glückskugeln sortiert. Wer einen Ladenbesuch vermeiden möchte, kann auch online auswählen, bestellen, bezahlen und die vorbereiteten Köstlichkeiten ohne langwierigen Aufenthalt abholen.

Im Vorfeld der Antiquariatsmesse Stuttgart, die man 2021 aufgrund der Pandemie virtuell besuchen kann, findet am 25. November 2020 ein Gespräch zwischen Sibylle Wieduwilt und Ingo Schulze über sein letztes Buch "Die rechtschaffenen Mörder", dessen Hauptakteur passenderweise ein Antiquar ist, statt. Dieses Gespräch wird im Internet live mitzuverfolgen sein. Wenn Sie mehr über diese Veranstaltung erfahren möchten, folgen Sie bitte diesem Link: Das Rote Sofa online

DER LITERARISCHE FREITAG


Eine Erzählung mag wie das Leben sein. Dies hätte Wladimir vermuten können, als Lucidor gekleidet im Morgenrock von Arabella und in Gestalt von Lucile auf ihn zustürzte. Schließlich ist er eine literarische Figur, ein Protagonist in Hugo von Hofmannsthals Erzählung Lucidor.
Die Literatur, so ist man geneigt zu resultieren, scheint ein Wunderstab zu sein. Auch aufgrund dieser Eigenschaft wird die heutige Freitagsseite dem Thema der Literatur gewidmet sein und wird angeführt von einem außerordentlichen Prosastück über die Liebe, rasantes Glücks- und Unglücksempfinden, Täuschung und Enttäuschung - mit einem offenen Ende, das des Lesers Gedanken in seine Realität und vermutlich wieder zurück führt. Denn die Illustrationen von Karl Walser, die sich hier dem Betrachter als Originalradierungen anbieten, laden den Leser ein, zu verweilen und seine Vorstellungskraft in Bewegung zu setzen zwischen den Sätzen des Autors, den Figuren des Illustrators und den eigenen Erfahrungen. Warum Lucidor eigentlich Lucile ist und die seltsamen Umstände, durch welche “sich die ganze Schönheit einer bedingungslos hingebenden Seele, wie Luciles” enthüllen konnte, erfahren wir vor allem in der ersten ansprechend gestalteten und von Karl Walser illustrierten und signierten Ausgabe von 1919.
Im gleichen Jahr, nämlich dem nach dem Ende des die Menschen aufwühlenden Ersten Weltkrieges, erscheint Robinson Crusoe von Daniel Defoe mit 85 teils ganzseitigen Lithographien von Richard Seewald. Diese expressionistischen Illustrationen zeigen überzeugend den Menschen in seiner Einsamkeit, zurückgeworfen auf seine bloße Existenz, eingefügt in die Natur neben Ziegen, Katzen und Papageien in einen Strichrhythmus, der auch durch seinen sensiblen Duktus verführt.

Der stämmige und meistens nach Knoblauch riechende Tartarin von Tarascon hingegen begibt sich in dem Roman Tartarin in den Alpen freiwillig in eine extreme Situation, die beinahe mit einer Katastrophe geendet wäre. Während des ereignisreichen Abenteuers wird Sonia, in die er sich verliebt hat, des Mordes verdächtigt, fällt er, der Beleibte, den Nihilisten in die Hände und begegnet zudem einem Schüler Schopenhauers. Nur ein Jahr nach der französischen Erstausgabe erschien diese deutschsprachige, in einer Vorzugsausgabe gebunden in einem roten Halbledereinband. Alphonse Daudet hat seinen sympathischen Helden mit seinen neuen Ruhmestaten humorvoll geschildert und in Frankreich ist er eine Art Volksfigur geworden. Doch seien Sie auf der Hut, wenn jemand zu Ihnen sagt: “Sie sind ja ein richtiger Tartarin!” Es könnte sein, dass er Sie indirekt als Angeber bezeichnet. Wir empfehlen die Lektüre des Romans, bevor eine Antwort gegeben wird.


DAUDET, Alphonse.
Tartarin in den Alpen. Neue Ruhmestaten des Helden von Tarascon. Autorisirte Uebersetzung von Stephan Born. Leipzig, le Soudier, 1886. Gross-8°. 3 nn. Bl., 320 S., mit einem Porträt und zahlreichen, teils farbigen Illustrationen von Aranda, de Beaumont, Montenaard, De Myrbach und Rossi. Rotes Halbleder der Zeit mit leichter Rückenvergoldung und Rückenschild, Kopfgoldschnitt, (leicht beschabt, Ecken etwas bestoßen). € 240,00

Erste Ausgabe dieser Übersetzung. - Fromm 6609. - Eins von nur 100 (insgesamt 125) Exemplaren der Vorzugsausgabe auf starkem Japan-Papier und mit dem Porträt. - Fortsetzung der Abenteuer des Tartarin von Tarascon, dem französischen Don Quijote. - Ganz in der Art französischer Ausgaben gedrucktes Buch bei Lahure in Paris. - Ex-Libris (Schweizer) auf Innendeckel. Schönes Exemplar.


KLEIST, Heinrich von.
Erzählungen. Drittes bis fünftes Tausend. 3 Bände. Berlin, Bruno Cassirer, 1924. 8°. Originalleder mit reicher Rücken- und Deckelvergoldung, Rückentiteln und Kopfgoldschnitt in Originalschuber, (Schuber etwas lichtrandig und gering beschabt) € 350,00

Badorrek-Hoguth B 37. 2. - Seltene bibliophile Ausgabe in Ganzleder nach Einbandentwürfen von Karl Walser. - Druck auf unbeschnittenem Bütten. - Vor- und Nachsätze minimal leimschattig. Sehr schönes, dekoratives Exemplar.


JEAN PAUL. (d.i. Johann Paul Friderich Richter).
Sämmtliche Werke. 33 Bände in 18 Bänden. Berlin, Reimer, 1840-1842. Klein-8°. Mit einem gestochenen Porträt. Halbleder der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, (gering beschabt). € 900,00

Zweite Gesamtausgabe. - Goedecke V, 466, 38. - Wie meist etwas stockfleckig und gebräunt. Dekoratives Exemplar.

 

BEAR PRESS - GOETHE (Johann Wolfgang. Epigramme. Venedig 1790. Bayreuth, Bear Press, 1986. 4°. 89 S., mit 12 Originalradierungen im Text, sowie einer signierten lose beiliegenden Radierung von Wilhelm M. Busch  Originalleder mit Blindprägung, Kopfgoldschnitt, in Originalschuber. € 1.000,00

Siebenter Druck der Bear Press Wolfram Benda. -  Spindler 73.7 - Eins von nur 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit der lose beiliegenden signierten Radierung von Wilhelm M. Busch (insgesamt 100 Exemplare). - Gedruckt in Walbaumschen Schriften auf Camber-Sand-Bütten. Handeinband von Werner G.Kießig. - Eine der letzten Veröffentlichungen mit Illustrationen von Busch, der 1987 starb. - Schönes, sauberes Exemplar.


LESSING, Gotthold Ephraim.
Minna von Barnhelm, oder das Soldatenglück. Ein Lustspiel in fünf Aufzügen. Leipzig, Insel, 1920. 8°. 3 nn. Bl., 189 S., 1 nn. Bl., m. 12 Tafeln nach Kupfern v. Chodowiecki. OLdr. mit Rückenvergoldung u. Rückenschild, Stehkantenvergoldung, (leicht beschabt). € 120,00

Sarkowski 1023. - Eins von 1200 Exemplaren. - Ex-Libris a. Innendeckel.


RABENER, Gottlieb Wilhelm.
Satiren. Fünfte verbesserte Auflage. 4 Bände. Wien, Trattner, 1787. 8°. Mit 4 gestochenen Titelvignetten, 5 Kupfertafeln und 1 gestochenen Textvignette. Pappbände der Zeit mit Rückenschildern, (gering beschabt und leicht fleckig). € 150,00

Die Titelvignetten jeweils mit der Darstellung eines Satyrs. - Ex-Libris (Dr. Schrauth) auf Innendeckeln, gering stockfleckig.


VON MAY - BÜCHNER, Georg.
Dantons Tod. München, Hans von Weber, 1916. 4°. 106 S., 1 nn. Bl., mit 33 teils ganzseitigen Originallithographien von Walo von May. Originalpergament mit 5 durchgezogenen Bünden und Rückenschild, Verlagssignet auf Vorderdeckel in Schwarz, Kopfgoldschnitt, (minimal fleckig). € 550,00

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. - Dritter Dreiangeldruck. - Rodenberg 416, 3. - Eins von nur 25 römisch nummerierten (insgesamt 625) Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Van-Geldern-Japan. Vom Künstler im Impressum signiert. - Der Schweizer Walo von May (1879-1928) gehört neben Kubin und Preetorius zu den in der Zeit am meisten besprochenen Künstlern.

 

HOFFMANN, E.T.A. Sämtliche Werke, Tagebücher, Briefe. Herausgegeben und eingeleitet von Rudolf Frank. 11 Bände. München, Leipzig, Rösl & Cie., 1924 8°. Mit Porträt und 2 gefalteten Tafeln. Originalhalbleder mit Rückenschild und Rückenvergoldung, Kopfgoldschnitt, (gering beschabt, teils lichtrandig). € 350,00

Schönes Exemplar der Ausgabe in Halbleder. - Erschienen in der Reihe "Rösl-Klassiker". - Minimal angestaubt.


GELLERT, Christian Fürchtegott. Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen. Berlin, Euphorion, 1921. 8°. 1 nn. BL., 210 S., mit einer signierten Originalradierung in Sepia von Klaus Richter. Originalleder mit reicher Rücken- und Deckelvergoldung, Deckeltitel und Rückenschild, Innenkantenvergoldung und Kopfgoldschnitt, (etwas berieben). € 220,00

Eins von nur 100 nummerierten Exemplaren (insgesamt 400 Exemplare) der Vorzugsausgabe auf Zanders-Hadern-Bütten und mit der signierten Originalradierung, die ein Porträt Gellerts darstellt. - Ausgabe nach der ersten Ausgabe von 1751. - Signierter Einband von Hübel und Denck, Leipzig. - Minimal angestaubt.


CERVANTES, (Miguel de).
Ausgewählte Werke. Herausgegeben und eingeleitet von Max Krell. 3 Bände. München, Rösl & Cie., 1923. 8°. Mit Porträt. Schwarze Original-Maroquinbände mit Rückenvergoldung, goldgeprägten doppelten Deckelfileten und Eckfleurons, Rückenschildern, Innenkantenvergoldung, Kopfgoldschnitt (minimal beschabt, Vordergelenk von Band 3 sachgemäß restauriert). € 1.000,00

WG 17 (M. Krell) - Enthält in Band 1 und 2 den Don Quijote und in Band 3 die Meisternovellen. - Sehr schönes Exemplar der nur in wenigen Exemplaren erschienenen Vorzugsausgabe in Ganzledereinbänden von Hübel und Denck in Leipzig. - Schwach gebräunt, Innengelenk von Band 3 mit etwas anderem Papier überklebt.


SHAKESPEARE, William.
Dramatische Werke. Übersetzt von A(ugust) W(ilhelm) Schlegel und J.J. Eschenburg. 20 Bände in 10 Bänden. Wien, Anton Pichler, 1810-1812. 8°. Mit 20 gestochenen Frontispizen. Pappbände der Zeit mit Rückenschildern, (gering beschabt). € 450,00

Seltenere Ausgabe der Werke Shakespeares. - Komplett mit den beiden Supplementbänden. - Die Kupferstichfrontispize gestochen von Weinrauch und Pölzel. - Gering stockfleckig, gutes Exemplar.

BOCCACCIO, Giovanni di. Der Decamerone. Deutsch von Dr. Heinrich Conrad. 5 Bände. München und Leipzig, Georg Müller und Hans von Weber, (1912-1913). 8°. Mit zahlreichen Tafeln nach den Kupferstichen und Vignetten von Gravelot Boucher und Eisen. Originalhalbleder mit reicher Rückenvergoldung und Rückenschildern, (gering beschabt). € 120,00

Die Originalillustrationen erschienen in der Ausgabe von 1757. - Band 5 im Bug gering gelockert und minimal feuchtrandig.

BÜRGER, Gottfried August. Sämmtliche Werke herausgegeben von August Wilhelm Bohtz. Göttingen, Dieterich, 1835. 4°. Gestochenes Porträt, VIII, 524 S., mit 1 Faksimile. Grünes Halbleder der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, (leicht beschabt, Ecken etwas gestaucht). € 120,00

Erste Ausgabe der Werke in einem Band. - Goedeke IV/1,1017,96. - Das Porträt wurde von Jaquemot gestochen. - Leicht gebräunt, Stempel auf Vorsatz, dekoratives Exemplar.


WALSER - HOFMANNSTHAL, Hugo von.
Lucidor. Figuren zu einer ungeschriebenen Komödie. Berlin, Erich Reiss, 1919. 4°. 1 w. Bl., 15 nn. Bl., mit 6 Originalradierungen von Kurt Walser. Originalhalbleder mit goldgeprägtem Deckeltitel, Kopfgoldschnitt, (Rücken stärker berieben, Ecken gering gestaucht). € 480,00

Erste Ausgabe. - Fünfter Prospero-Druck. - Rodenberg 461, 6; WG 89; Jacoby 66. - Eins von 240 nummerierten Exemplaren auf Zandersbütten. - Titelradierung vom Künstler signiert.


IBSEN, Henrik.
Sämtliche Werke in deutscher Sprache. Durchgesehen und eingeleitet von Georg Brandes, Julius Elias, Paul Schlenther. Vom Dichter autorisiert. 10 Bände. Berlin, Fischer, (1898-1904). 8°. Mit einem Porträt. Originalleinen mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel, Kopfgoldschnitt, (minimal beschabt). € 120,00

Erste deutsche Gesamtausgabe der Werke Ibsens, die anlässlich seines 70. Geburtstages herausgegeben und von Emma Klingenfeld und dem jungen deutschen Dichter Christian Morgenstern übersetzt wurde. - "Bei dieser Ausgabe ist das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, dass dem nordischen Originaltext ein ebenso formvollendeter, sprachlich reiner, alles Charakteristische treu und doch frei wiedergebender deutscher Text entspreche, an den der Anspruch gestellt werden darf, als deutsche Originaldichtung zu gelten." (Werbeprospekt zur Ausgabe: Fischer-Verlag, 1898). - Band 2 mit Ex-Libris (Meis) auf Innendeckel. Sehr gutes Exemplar.


MANN, Heinrich.
Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen. Roman. München, Albert Langen, 1905. 8°. 2 nn. Bl., 279 S., 2 nn. Bl. Späteres Leinen mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel sowie Deckelblindprägung. € 480,00

Erste Ausgabe. - WG 14. - Berühmter Roman Heinrich Manns über den Gymnasiallehrer Raat und dessen unrühmliches Ende. Nur in einer relativ kleinen Auflage von 2000 Exemplaren erschienen. - Die Verfilmung, mit Marlene Dietrich, unter dem Titel "Der blaue Engel" wurde ein Welterfolg des deutschen Kinos. - Minimal stockfleckig, Vortitel am unteren Rand verstärkt. Schönes Exemplar.


KAFKA, Franz.
Ein Hungerkünstler. Vier Geschichten. Berlin, Die Schmiede, 1924. 8°. 85 S., 1 nn. Bl. Originalleinen mit Rücken- und Deckelschild, (Rücken und Deckel an den Rändern verblasst, Rückenschild gering fleckig und beschabt). (Die Romane des XX. Jahrhunderts). € 800,00

Erste Buchausgabe dieser Sammlung. - Dietz 66; Raabe 146, 7; Hemmerle S. 27. - Papierbedingt gering gebräunt.


HAUSERPRESSE - LEWIS, Sinclair.
Bongo. Deutsch von Franz Fein. Frankfurt, Hauserpresse, o.J. (1932). 8°. 31 S., mit teils ganzseitigen Illustrationen von Hilde Bauer. Originalbroschur aus langfaserigem Papier, (gering beschabt). € 80,00

Erste deutsche Ausgabe, selten. - Privatdruck der Hauserpresse (Hans Schaefer). - Geschichte des aus dem Zirkus ausgerissenen Bären Bongo. Berühmt wurde die Geschichte nach der Verfilmung durch Walt Disney. - Etwas gelockert.

 

JÜNGER, Ernst. Aladins Problem. Stuttgart, Klett-Cotta, 1983. 8°. 121 S., 1 nn. Bl. Originalleder mit Rückentitel in Originalschuber, (Schuber etwas lichtrandig). € 340,00

Erste Ausgabe. - WG 140. - Eins von 200 nummerierten und signierten Exemplaren der Vorzugsausgabe im Ganzledereinband. - Gutes Exemplar.


SEEWALD - DEFOE, Daniel.
Robinson Crusoe. München, Goltzverlag, 1919. 4°. 4 nn. Bl., 317 S., mit 2 signierten ganzseitigen Originallithographien und 85 teils ganzseitigen Illustrationen nach Zeichnungen von (Richard) Seewald. Originalleder mit Rückentitel, Deckelprägung und Kopfgoldschnitt (etwas beschabt, Ecken leicht bestoßen, oberes etwas Gelenk eingerissen). € 900,00

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. - Jentsch 92-93; Schauer II, 114. - Eins von 80 (insgesamt 500) nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe. Mit den signierten Originallithographien, sowie einer Signatur im Druckvermerk. - Eines der frühen von Seewald (1889-1976) illustrierten Bücher. - Handeinband signiert von Frieda Thiersch. - Schnitt etwas gebräunt, sonst gutes Exemplar.

NOTIZEN AUS FRANKFURT

Antiquariat & Kino In Frankfurt in dem Arthouse Kino Cinéma ist der Film The Booksellers trotz aller Widrigkeiten angelaufen. Am Samstag, den 31.10.2020, um 17.45 Uhr wird Sibylle Wieduwilt (Inhaberin dieses Antiquariats und Vorsitzende des Verbandes Deutscher Antiquare) den Film einleiten und wird nach der Vorführung gerne eventuelle Fragen des Publikums beantworten.
Heute findet in Stuttgart im Arthouse Kino Atelier am Bollwerk eine Sonderveranstaltung mit anschließendem Filmgespräch mit Sibylle Wieduwilt, Max Neidhardt (Inhaber des Antiquariats Neidhardt) und in der Moderation Prof. Dr. Wulf D. von Lucius (Vorsitzender der Maximilian Gesellschaft) statt. Die Filmvorführung beginnt um 18.00 Uhr. Zudem wird der Film in mehreren deutschen Städten noch an diesem Wochenende in Arthouse Kinos zu sehen sein.

Der amerikanische Dokumentarfilm zeigt weibliche und männliche, verstaubte und sportliche, unsportliche und entstaubte, intellektuelle und intuitive, bebrillte und brillenlose, witzige, nachdenkliche, spleenige und vor allem interessante Buchhändler in ihren Antiquariaten, auf den Messen, bei Kunden, in den Straßen New Yorks, meistens zwischen Büchern. Wir werden in dem Film von D.W.Young zudem unterhaltsam über die Büchersammelleidenschaft informiert, über Probleme und Verdienste des Antiquariatswesens. Immer wieder kann man in den 99 Minuten erstaunt und begeistert sein über die Vielfalt des antiquarischen Metiers und dessen atmosphärische Dichte, die dieser Film transportiert.

Das Foto zeigt die Tür des Tresor am Römer und unter dem Plakat vier zum Ladengeschäft gehörende Beine, die stets bemüht sind, den Kunden möglichst seltene und wertvolle Bücher flinken Schrittes näherzubringen.